Das war der Name des internationalen Symposiums, an dem ich letzte Woche in Mannheim teilnahm. Die Tagung wurde vom Goethe-Institut, el Institut für Deutsche Sprache (IDS), der Duden-Redaktion und der Stadt Mannheim (die genau wegen der ganzen dort befindlichen, wichtigsten Institutionen des Deutschen auch »Hauptstadt der deutschen Sprache« genannt wird) organisiert und fand vom 17. bis 19. September statt. Das Thema dieses Symposiums war die »Verwaltung multikultureller und multilingualer städtischer Lebenswelten« (in Folge der Migration), sowie die daraus resultierenden Problematiken, z. B. die Integration der Migranten, sprachliche und kulturelle Erziehung der Kinder und, leider nicht zu selten, interkulturelle und interethnische Konflikte. Die zu diesem Symposium aus aller Welt eingeladenen Referenten haben von ihren politischen, kulturellen, sozialen und linguistischen Erfahrungen und (Nach-)Forschungen berichtet. Es seien nur ein paar genannt:
- Akande Zanana: Präsidentin der Urban Alliance on Race Relations, Toronto, USA.
- Pav Akhtar: Campaigns Officer for the National Assembly against Racism (NAAR), London.
- Jannis Andrutsópulos: Seit September 2007 Dozent für Sociolinguistics & Media Discourse am King’s College London. Er studierte Germanistik an der Universität Athen und promovierte 1997 in Germanistischer Linguistik und Übersetzungswissenschaft an der Universität Heidelberg. Jetzt ist er Dozent für Soziolinguistik und Medienkommunikation am King’s College London.
- Ien Ang: Leitende Professorin für Kulturwissenschaften und Mitglied des Professorenkollegiums des Australian Research Council am Centre for Cultural Research der University of Western Sydney (Australien).
- Ahmet Misbah Demircan: Bürgermeister von İstanbul-Beyoğlu. (Siehe Fußnote.)
- Rosana Magalhães Gaeta: Aktivistin in den Bereichen Menschenrechte und Migration. Seit 2006 ist sie Beraterin des Projekts i-migrantes PMSP/SMPP (Prefeitura do Município de São Paulo-Secretaria Municipal de Participação e Parceria) Cibernarium /Vitalis Brasil und seit 2007 Beraterin des COSEMS-SP (Conselho dos Secretários Municipais de Saúde do Estado de São Paulo), Brasilien.
- Irena Guidikova: Referatsleiterin in der Direktion Kultur und Naturerbe des Europarats.
- Kenan Colat: Präsident der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), Berlin.
- Marco Kusumawiya: Direktor Kulturrat und Stadtplaner, Jakarta (Indonesien).
- Ooi Giok Ling: Professorin National Institute of Education, Singapur.
- Peter Lobo: Stellvertretender Direktor der Population Division im Amt für Stadtplanung der Stadt New York.
- Cem Özdemir: Mitglied des Europäischen Parlaments (Die Grünen / Freie Europäische Allianz).
- S. Parasuraman: Director, Tata Institute of Social Science, Mumbai, India.
- Nat Nuno-Amarteifio: Ehemaliger Bürgermeister von Akkra, Ghana.
- Carlos Jiménez Romero: Direktor des Instituts für Migration, Ethnizität und Soziale Entwicklung, Madrid.
- Saskia Sassen: Professorin für Soziologie und Mitglied des Committee on Global Thought, Columbia University New York.
- und viele mehr…
Persönlich fand ich Cem Özdemir (Deutsch-Türke im Europaparlament), Ahmet Misbah Demircan (Bürgermeister von İstanbul-Beyoğlu) und Jannis Andrutsópulos (Deutsch-Griechischer Professor) am interessantesten. Im Allgemeinen war es eine wirklich bereichernde Erfahrung, zum Einen, Mannheim mit seinen erstaunlichen Quadraten, seinem Wasserturm und seinen Institutionen für die deutsche Sprache kennen zu lernen, und zweitens, so ein internationales Symposium mit »großen Fischen« aus aller Herren Länder mitzuerleben, ihre Reden und Antworten auf die von Zuhörern gestellten Fragen zu hören und nicht zuletzt natürlich auch wegen der größtenteils zwar aus Deutschland/Österreich gekommenen Besucher, welche jedoch auch einen »Migrationshintergrund« (am häufigsten gesagtes, auffälliges Wort) hatten, also so wie ich als in Spanien lebender Deutscher…
- Mehr Links/Material:
- Mannheim in der Wikipedia.
- Mehr über Jannis Andrutsópulos (im Englischen: Jannis Androutsopoulos, auf Griechisch: Γιάννης Ανδρουτσόπουλος).
- Und hier das Mannheimer »Leben im Quadrat«:
Sprachliche Anmerkung: »Beyoğlu« wird [béyoolu] ausgesprochen. Das türkische »ğ« wird nicht gesprochen, es hat die gleiche Funktion wie das deutsche »h« nach Vokal (nämlich den davor stehenden Vokal zu dehnen).

Hallo Alex,
ich hoffe es geht dir gut auf den Kanaren!
Eine kurze Anmerkung:
Özdemir ist nicht germano-turco, er ist alemán und wenn überhaupt de orígen turco.
Was Andrutsopulos ist, weiß ich nicht, aber auf keinem Fall ist er germano-griego, wenn überhaupt, dann ist er griego-alemán. Klar wird Deutsch an erster Stelle als germano- auf Spanisch widergegeben, aber wenn es die Möglichkeit gibt historisch korrekter den Ausdruck zu bilden, also -alemán, sollte man es auch tun. Man sagt auch nicht er ist heleno, oder heleno-, er ist nun mal griego oder griego- oder -griego.
Schöne Grüße aus Leipzig
e.
Hallo Eleni,
Danke für deinen kritischen und erklärenden Kommentar.
Me explico: mit der Verbindung zweier Ethnonyme möchte ich ausdrücken, dass die Person einen Migrationshintergrund aufweist, wobei mir die Abstammung interessanter erscheint als die politische Staatsangehörigkeit. Bei der Komposition einer solchen Bezeichnung versuche ich die ,,eigentliche” Volkszugehörigkeit als Basis zu behandeln und die zweite Volkszugehörigkeit als Attribut voranzustellen. (Wohlwissend, dass die Auffassung dieser beider Merkmale sehr unterschiedlich sein kann; Politik und Genetik gehen nun einmal nicht Hand in Hand.) So haben wir im Deutschen z. B. Deutschtürken, Deutschgriechen und Deutschkroaten: Sie sind Deutsche mit einem Migrationshintergrund.
Nun zum Spanischen: Im Spanischen wird beim ersten Bestandteil eines solchen Kompositums wie folgt vorgegangen: Das als Basis verwendete Ethnonym steht unverändert an zweiter Stelle, während das Attribut fast als Präfix agiert, deswegen kann es sogar ohne Bindestrich geschrieben werden. Beim ersten Bestandteil wird im Spanischen nämlich nicht das allgemeine Adjektiv verwendet, sondern das culto, latinisierte: alemán = germano- (was außerdem Synonym von alemán ist), griego = greco- und heleno-, italiano = italo-/ítalo-, español = hispano, portugués = luso-, anglo- (‘inglés’), fino- (‘finés o finlandés’), austro- (‘austríaco’) => Siehe auch: http://buscon.rae.es/dpdI/SrvltConsulta?lema=gui%C3%B3n
Och Mann, da hatte ich einen langen Kommentar geschrieben und aus Versehen wieder gelöscht.
Vielleicht schreibe ich dir ein anderes Mal.
Ganz kurz: Identitätsfragen sind sehr diffizil und daher gibt es eine Reihe politisch korrekter Ausdrücke. Um die “eigentliche” Zugehörigkeiten zu ermitteln sollte man die Menschen selbst fragen, denn alles Andere heißt, meines Erachtens, nach Äußerlichkeiten urteilen.
Jedenfalls ich und meines Gleichen aus erster, zweiter oder dritter Generation würden nie unter Deutschgriechen Griechen, die in Deutschland leben oder geboren und aufgewachsen sind, verstehen, wie auch nie Deutsche griechischer Abstammung. Unter Deutschgriechen verstehen wir teils Griechen teils Deutsche (also aus multinationalen Ehen hevorgegangene Kinder). Die Einzigen, die eine Ausnahme für dieses Verständnis bilden sind die Deutschamerikaner (Amerikaner dt. Abstammung) oder Griechischamerikaner (Amerikaner gr. Abstammung) und zwar aus soziokulturellen und historischen Gründen. Außer bei den Amerikanern ist also diese Bedeutung von yx als x y Abstammung nicht auf Deutsch üblich (übrigens auch nicht auf Griechisch) und wenn schon, wie bei “Russendeutschen” nicht politisch korrekt (da der Deutsche nicht gleich russisiert werden mag, “nur” weil er in Russland lebt oder gelebt hat). Ergo: Eine komplizierte Angelegenheit.
Zu deinen restlichen Ausführungen schreibe ich dir vielleicht ein anderes Mal.
Ansonsten viele Grüße aus Deutschland!
e.
Zu dem Thema „Özdemir“ steht heute ein interessanter Beitrag in „Die Welt“, den ich euch auf jeden Fall empfehle: http://www.welt.de/wissenschaft/article2756358/Warum-Oezdemir-aus-echtem-Eisen-ist.html