«
»

Funde, Sprachen, Übersetzung

»Huri-ose Poe-sie«

08.02.2009 | Einen Kommentar schreiben

 Die Lektüre für ein Fach meines Doktorats (»Έρος y Θάνατος. Una estética sublime del horror [de lo gótico a lo fantástico]«) warf ein paar interessante Fragen auf, zu deren Klärung ich sofort ins Netz tauchte. Die konkrete Lektüre, um die es hierbei geht, ist »Ligeia« von Adgar Allan Poe (Bild).

1. Ligeia (sprich /ligéja/), wie es der Name bereits durchscheinen lässt, stammt vom griechischen Λιγεία (moderne Aussprache: /lijía/) und ist eine Ableitung (oder seine feminine Form) des Adjektivs λιγύς, εῖα, ύ, was bedeutet »clear-voiced, shrill, whistling« (Quelle); »hell, laut tönend«. Dieses Adjektiv, wie hier erklärt wird, leitet sich seinerseits von dem Verb λιγαίνω ab, welches »hell, laut rufen; hell tönen, schreien« bedeutet.

2. Zur Aussprache Poes: In Deutschland weiß man, dass dieser Nachname »poh« bzw. »po-u« ausgesprochen wird. In Spanien hingegen werden solche Namen oftmals so ausgesprochen, wie sie geschrieben werden, »po-eh« also. Interessanter wird es jedoch bei Sprachen, die sich nicht unseres lateinischen Alphabetes bedienen, z. B. Griechisch. Da ensteht ein Konflikt zwischen Transkription der Aussprache und Transliteration des geschriebenen Namens: Η ακριβής προφορά του επωνύμου είναι «Πόου», αλλά έχει επικρατήσει γενικά να γράφεται Πόε. (Quelle [auch der Abb.]. Übersetzung: Die genaue Aussprache des Nachnamens ist »póu«, allgemein herrscht jedoch die Schreibweise »Poe« vor.)

3. In der Geschichte »Ligeia« tauchen auf einmal die Huri der Türken auf. Ich muss gestehen, dass ich diese Gattung noch nicht kannte. Aber dafür gibt es ja Wörterbücher, Lexika und Enzyklopädien, und so brachte mich der Duden bis nach Arabien: »Hu|ri <Pl.> [pers. ḥūrī < arab. ḥūr [حورية]]: schöne, ewig jungfräuliche Mädchen im Paradies des Islams.« Die große Ähnlichkeit zu einem deutschen Wort, das allerdings genau das Gegenteil bedeutet, kann ich mich aber leider nicht erklären… (Das Duden-Herkunftswörterbuch meint jedoch, dass etymologisch keinerlei Verbindung zwischen unserem indogermanischen und deren semitischem Wort bestehe. Logisch…)

Für die Frauen ihrerseits gibt es den »Ghulam« (Singular); das ist nach islamischer Tradition ein junger, ewig abstinenter Mann, der zu Diensten der gerechten Frauen steht, wenn sie am »Yaum al-Qiyamah« ins Paradies gelangen. [Partielle Übersetzung des entsprechenden Artikels der Wikipedia auf Spanisch.] Zuletzt gilt es zu klären, was dieses geheimnisvolle »Yaum al-Qiyamah« [يوم القيامة] ist: Dabei handelt es sich um den Tag des Jüngsten Gerichts nach islamischem Glauben. An jenem Tage werden alle Menschen wiederauferstehen und werden für all ihre guten und schlechten Taten gerichtet und belohnt. Dieser Tage wäre dann der Beweis für die Existenz des allmächtigen Allahs, der alles aus dem Nichts erschaffen hat. [Ebenfalls übersetzt aus der spanischen Wikipedia.]

Interessante Parallelen, wenn man einmal unseren christlichen Himmel mit ihrem Paradies vergleicht. Ebenso der »Qiyamah«, verglichen mit dem christlichen Tag des Jüngsten Gerichts. Nur, dass es in unserem Himmel wahrscheinlich nicht ganz so lustig wird wie bei ihnen, da es bei uns wohl keine Huri und »Ghilman« (Plural) gibt, die uns dort erwarten…

Verwandte Funktionen

have your say

Add your comment below, or trackback from your own site. Subscribe to these comments.

Be nice. Keep it clean. Stay on topic. No spam.

You can use these tags:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

:

:


«
»