Eigentlich ist es etwas, was wir alle schon als Kinder in der Schule gelernt haben. Eigentlich ist es auch etwas, was wir alle wissen. Aber trotzdem gibt es viele, die einfach gern darüber hinwegsehen: Das große »i« hat keinen Punkt. Hat es eigentlich auch noch nie gehabt. Eigentlich. Aber heute ist das halt alles etwas anders: Viele wollen noch ein »i-Tüpfelchen« auf dem großen »i«. Warum, das wurde nie herausgefunden.
Vielleicht, mögen Einige denken, weil das große »ü« ja auch die Punkte behält. Klar, die dienen ja auch der Unterscheidung, denn »u« ist ja nicht das Gleiche wie »ü«, wie alle wissen.
Im Türkischen ist das jedoch ganz anders. Da schreibt man nämlich »İstanbul«, weil ı, I und i, İ ganz unterschiedliche Vokale sind. Das »i ohne Punkt« ([ɯ]) hört sich ungefähr so an wie eine Mischung aus dem »i« in »bin« und dem »e« in »mache« (dieses unbetonte »e« heißt auch Schwa: [ə]).
Im Griechischen, das Iota (ιότα: ι Ι) hat nie einen Punkt (es ist übrigens der Ursprung unseres i). Höchstens hat es einen Akzent, wenn es betont ist (ί, Ί), oder aber ein Trema (¨), das sind 2 Punkte, die zwar anders als im Deutschen (a, o, u eine andere Aussprache geben), aber genauso wie im Französischen dazu dienen, einen Diphtong zu trennen, damit coïncidence [koɛ̃sidɑ̃s] und nicht [kwɛ̃sidɑ̃s] ausgesprochen wird.
Im Koreanischen, das zwar im Vergleich zu unserem ein sehr unterschiedliches Alphabet hat, ähnelt sich der i-Laut trotzdem: ㅣ (in einfachen Kombination: 이 [i = eins], und in doppelten: 일 [il = zwei]). Interessant, nicht wahr?


